KdAI - Klub deutscher Architekten und Ingenieure in Moskau

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kommen wieder zunehmend deutsche Architekten und Ingenieure nach Russland, vor allem nach Moskau. Ihr Bedürfnis nach Informationsaustausch und Vernetzung führt im Jahr 2005 zur Gründung des Klubs deutscher Architekten und Ingenieure in Moskau. Initiatoren und Gründer sind die Architekten Niko Rickert (Hamburg) und Peter Knoch (Berlin).

Es ist der Beginn eines neuen Abschnitts der deutsch- russischen Zusammenarbeit im Bereich Planen und Bauen. Aber es ist kein kompletter Neuanfang, denn Deutsche Architekten und Ingenieure stehen bei ihrer Tätigkeit in Russland in einer lange Traditionslinie. Mit einem Dekret der Zarin Katharina II, die deutschen Handwerkern die Möglichkeit bietet in Russland tätig zu sein, beginnt auch die große Zeit deutscher Fachleute – auch die von Architekten und Ingenieuren - in Russland. Mit einem Dekret des sowjetischen Diktators Josef Stalin, der 1941 die Deportation aller Deutschen nach Sibirien und Kasachstan anordnet, endet sie - vorläufig. Dazwischen liegen zweihundert Jahre, in denen deutsche Architekten und Ingenieure kontinuierlich am Aufbau und Wiederaufbau russischer Städte beteiligt sind. Eine klar umrissene Gruppe deutscher Architekten gibt es innerhalb dieses Zeitraum allerdings nicht, vielmehr werden von russischer Seite Personen unterschiedlicher Herkunft unter dem Sammelbegriff „deutsch“ subsumiert. Sprache und Konfession bilden die wesentlichen Zuordnungsmerkmale, so dass Einwanderer und angeworbene Fachkräfte aus allen deutschsprachigen Staaten Europas, aber auch deutschsprachige Balten, Skandinavier oder Niederl?nder von russischer Seite aus zur Gruppe der Deutschen gerechnet werden.

Was Architekten und Ingenieure angeht, bilden sich im Wesentlichen zwei sich ergänzende Gruppen heraus - auf der einen Seite angeworbene Fachleute, die zur Umsetzung eines speziellen Bauvorhabens oder zur temporären Bekleidung einer Funktion aus dem Ausland angeworben werden, auf der anderen Seite in Russland geborene und ausgebildete Architekten und Ingenieure der russlanddeutschen Minderheit.  
Sprache, Konfessionen und kulturelle Grundlagen verbinden beide Gruppen miteinander. 
Zu Beginn dieses Jahrhunderts stellt sich die Ausgangslage allerdings anders dar. Jetzt kommen deutschsprachigen Architekten und Ingenieure, die in Russland tätig sind, sämtlich neu aus dem Ausland. Aber auch jetzt gibt es Gruppen, die sich durch Herkunft und Motive voneinander unterscheiden. Eine Gruppe besteht aus Architekten und Ingenieuren, die aus beruflichen und meist auch familiären Grnden langfristig nach Russland wechseln, die Büros und Firmen gründen oder Filialen großer internationaler Büros vor Ort leiten. Eine andere Gruppe ist projektbezogen, meist nur tage- oder wochenweise in Russland tätig, ihr Lebensmittelpunkt bleibt im Ausland. Und eine weitere Gruppe besteht aus jungen Russlanddeutschen, die das Land in den 90er Jahren als Kinder verließen und nun, in Deutschland ausgebildet, nach Russland zurückkommen. Sie bringen ihre Zweisprachigkeit und fundierte Kenntnisse beiden Kulturen mit. Die Kombination aller dieser Gruppen führt dazu, dass die deutschsprachige Planergruppe derzeit die mit Abstand sichtbarste, am weitesten integrierte -  und vermutlich auch erfolgreichste - in Russland darstellt.

Nicht zuletzt ist dies auch darauf zurückzuführen, dass im Rahmen der Tätigkeit in Russland die sonst übliche Distanz zwischen verschiedenen Fachdisziplinen aus den Bereichen Planen und Bauen kaum eine Rolle spielt. Das gemeinsame der Situation macht es unwichtig, ob Kollegen Entwurfsarchitekten, Fassadenspezialisten oder Fachleute für Brandschutzmaterialen sind. Dies spiegelt sich auch im strategischen Ansatz des Klubs deutscher Architekten und Ingenieure  und im Spektrum der Themen wider, zu denen der Klub Veranstaltungen organisiert. Es geht dem Klub deutscher Architekten und Ingenieure darum das gesamte Spektrum des Bauzyklus abzudecken - von der Investition über die Planung und das Bauen bis hin zum Betrieb eines Gebäudes.. Veranstaltet werden Konferenzen und Messenteilnahmen, der Klub deutscher Architekten und Ingenieure veröffentlicht Artikel und Publikationen, er kooperiert mit den Berufsverbänden beider Länder.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet derzeit das Thema Nachhaltiges Bauen - ein Querschnittthema, das alle Bereiche des Planens und Bauens betrifft,  und künftig verändern wird.

Verfasser: Peter Knoch, 2010